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Heft 3 / 2004
Themen
Titelbild

Wir stellen vor: die Provinz Ontario – das Herz Kanadas


Ontario ist nach Québec die zweitgrößte Provinz Kanadas mit einer Fläche von rund einer Million Quadratkilometern. Das entspricht in etwa der Fläche von Frankreich, Italien und Deutschland zusammen. Begrenzt wird Ontario im Osten von Québec, im Norden von Hudson- und James Bay, im Westen von Manitoba und im Süden von den Großen Seen bzw. dem St. Lorenz- Strom. Inmitten der Großen Seen verläuft die Grenze zu den USA.

Apropos Große Seen, gemeinsam mit ihnen und ca. 250.000 anderen Seen, Flüssen und Strömen beherbergt diese eine Provinz ungefähr ein Drittel der Weltvorräte an Süßwasser. Und zum Thema kaltes nördliches Kanada: Der südliche Teil der Provinz liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Barcelona und Rom, der nördliche etwa auf dem von London bzw. Warschau. Dass sich die Temperaturen dort sehr unterscheiden, liegt in Europa am warmen Golfstrom und in Kanada am Eiskeller der Region, der Hudson








Ottawa – bunte und geschichtsträchtige Hauptstadt


Königin Victoria war es, die 1857 den Streit zwischen Québec City, Montréal, Toronto, Kingston und Ottawa, welche dieser Städte Sitz der neuen Regierung der Provinz Canada werden sollte, durch ihre Wahl schlichten sollte. Und diese Wahl fiel völlig unerwartet auf die kleine und unbedeutende Stadt Ottawa "im Nirgendwo". Sofort wurde hier mit dem Bau der neuen Parlamentsgebäude auf dem damaligen Barrack Hill, dem heutigen Parliament Hill, begonnen. 1866 dann saß die Regierung der Provinz zum ersten und letzten Mal in ihren neuen Häusern, denn schon im folgenden Jahr wurde Kanada eine unabhängige Nation, deren erste Regierung sich ebenfalls in Ottawa etablierte.

Größte Arbeitgeber sind auch heute in Ottawa die vielen hier ansässigen Einrichtungen und Dienstleister der föderalen, provinziellen, regionalen und örtlichen Verwaltungen. Darüber hinaus ist Ottawa ein bedeutender Hightech-Standort - über 1200 Firmen dieses Sektors sind hier mit über 40.000 Beschäftigten ansässig, die pro Jahr ca. 17 Milliarden CAN $ erwirtschaften. Handel, Finanzdienstleistungen, verarbeitende Industrie, Transportwesen, Tourismus, Bildungs- und Gesundheitswesen sowie auch die Landwirtschaft sind weitere bedeutende Wirtschaftsfaktoren.


Toronto – quirlige Megacity


Wolkenkratzer, die zwischen grünen Parks hervor ragen, baumbestandene Inseln mit Badestränden, multikulturelle Stadtviertel, in deren Läden und auf deren Märkten man Spezialitäten aus aller Herren Länder findet, das kanadische Finanzcenter mit seinen Hochhaustürmen und geradezu dörflich anmutende kleine Stadtviertel, 4,2 Millionen Menschen aus über 100 Kulturen der Erde - das alles und noch viel mehr ist vereint im Schmelztiegel Toronto - der Hauptstadt der südlichsten kanadischen Provinz Ontario. Dazu prägen unzählige farbenprächtige Festivals, zahlreiche Theater, Museen, Galerien, Ausstellungen, unzählige Sehenswürdigkeiten - alles überragt vom derzeit welthöchsten freistehenden Gebäude, dem 553,33 m hohen CN-Tower - das Bild dieser multikulturellen quirligen stetig wachsenden City, die das kosmopolitische Zentrum im kanadischen Süden am Ufer des Lake Ontario bildet.


Indian Summer im Algonquin Park


...mit großem Respekt paddeln wir auf die Stromschnelle zu. Ich treffe als Steuermann die anvisierte Route nicht richtig. Wir kommen die Schnelle halbwegs runter, aber der Bug taucht tief in die Fluten ein und das Kanu läuft halb voll Wasser. Die nächste Stufe treffe ich noch viel weniger. Der Bug taucht noch stärker ein, das Boot läuft ganz voll, aber wir kentern nicht. Wir sitzen immer noch brav im Boot und paddeln, nur dass der obere Rand unseres Kanus genau auf der Höhe der Wasseroberfläche ist. Sieht bestimmt lustig aus.

Begonnen hatte die Kanutour auf dem Petawawa River in den vom Indian Summer gefärbten Wäldern des Algonquin Provincial Parks vor drei Tagen. Unsere Outfitter Helga und Gerd Schenke von Algonquin Portage setzten uns - meinen Mitpaddler Peter und mich - mit Kanu, Ausrüstung und Lebensmitteln am Lake Travers im östlichen Parkbereich ab. “Der Fluss führt nicht viel Wasser und bis auf eine solltet ihr alle Stromschnellen fahren können“, machte Gerd uns Mut. Der See zieht sich ganz schön hin, doch schließlich gelangen wir in die Nähe seines Endes. Kurz später stecken wir in einer schweren Motivationskrise: Wir lassen uns treiben und schaukeln in seichten Wellen über den See. Ein paar andere Kanuten campen am Ufer.

Dann machen wir zwei Punkte am gegenüberliegenden Ufer aus. Als wir noch gut 200 Meter entfernt sind, bewegen sich Punkte: Mutter Elch verschwindet mit ihrem Kalb im dichten Busch. Dafür haben wir andere tierische Gäste: Große Horse- und kleine Black Flies machen sich über uns her. Daran ist bestimmt das hervorragende Wetter mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 20° C schuld. Und das Anfang Oktober. Wir haben die perfekte Zeit für unseren Indian Summer Trip erwischt, denn es sollte die nächsten Tage so bleiben...


Der Algonquin Park


Der Algonquin Provincial Park wurde 1893 gegründet und ist damit der erste Naturschutzpark Kanadas. Er liegt rund 210 Kilometer nördlich von Toronto sowie 160 bzw. 190 Kilometer westlich von Ottawa und Montréal und ist von etwa 10 Millionen Menschen innerhalb von drei Stunden zu erreichen.

Auf 7.725 Quadratkilometern Fläche bietet er eine “Semiwildnis“ mit Wäldern, Hunderten von Seen und Flüssen, 45 Säugetier-, 262 verschiedenen Vogel-, 30 Reptilien- und Amphibien- und 50 Fischarten sowie rund 7.000 Insektenspezies. Der Park ist insbesondere für seine große Wolfs- und Elchpopulation berühmt. Außerdem gibt es etwa 2.000 Schwarzbären.

Er liegt im südlichen Bereich des kanadischen Schildes. Dessen Granitgestein zählt geologisch gesehen zu den ältesten Felsformationen des Erdmantels und wurde u.a. während der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren abgeschmirgelt. Die Gletscher hinterließen rund 2.500 Seen, in denen sich vor allem Forellen, Hechte und Barsche tummeln. Ein schlechter Boden, ein hartes Klima, viele Feuer und nicht zuletzt eine intensive Forstwirtschaft haben einen sekundären Wald mit Kiefern, Fichten und Birken geschaffen...


Veranstaltungsübersicht – ausgewählte Events in Ontario Juli und August 2004


Powerhaus Ontario

Mit größter Bescheidenheit bezeichnet die PR-Agentur der Regierung von Ontario die Provinz als “North America's Automotive Powerhaus“. Dies stimmt bedingt, aber die Provinz muss viel investieren, um dies auch weiter bleiben zu können.

Mit Förderprogrammen von über 500 Millionen CAN $ für die Modernisierung der Standorte sollen die Autokonzerne geködert werden weiterhin in Ontario zu expandieren. Die Konkurrenz im Süden der USA, besonders in den Bundesstaaten Alabama und Mississippi, zwingt Ontario dazu. Da nun auch noch das Ausbildungsprogramm für die Facharbeiter mit 500 Millionen CAN $ hinzu kommt, werden die Global-Player mit über 1 Milliarde CAN $ unterstützt.

Warum ein ausländisches Unternehmen in Kanada und besonders in der Provinz Ontario seinen Firmenstandort eröffnen sollte, kann man in Studien von KPMG (KPMG Competitive Alternatives über die Website 2ontario.com zu finden) nachlesen. In der aktuellen Studie (2004) ist Kanada wieder die Nummer 1 vor Australien und Deutschland, wird in den Standortskosten für Industrieunternehmen nur noch von Japan übertroffen. Die in der Studie gepriesenen günstigen Löhne weisen aber darauf hin, dass Kanada für Unternehmen ein Billiglohnland ist...


Einfach nur raus...


Aus dem Ruhrgebiet in den Westen Kanadas – Teil III

Im zweiten Teil (Heft 1/2004) hatten wir ja endlich unser Grundstück in Pemberton bei Whistler gefunden und auch gekauft, nun konnte es ja losgehen! Wobei - eigentlich war es nur ein Stück Wald, ungefähr 21.000 m² groß, gerade einmal ein schmaler Fußweg führte auf eine kleine Lichtung. Wasser, Strom, Telefon? Fehlanzeige...

Also, was gab es zu tun? Ehrlich gesagt - wir hatten keinen Plan, hatten uns in Deutschland ja nie mit dem Bau eines Hauses beschäftigt. Also wurden einige Leute gefragt. Einen „Backhoe“ sollten wir engagieren, um die Bäume nach Wunsch zu fällen. Wurde gemacht, danach sah es auch schon deutlich “offener“ aus und man konnte sich endlich vorstellen, wo das Haus stehen könnte. Für das Wasser sollte eine “Well” gebohrt werden, ein Tiefbrunnen. “Einfach so?“ Nein, nein, erst musste ein Test gemacht werden, der dann wiederum von der Stadt abgenommen werden musste. Um nun nicht total kopflos herum zu suchen, beschlossen wir, einen Bauunternehmer zu engagieren. Derek, so der Name, war auch wirklich sehr nett. Das fanden wir dann nicht mehr, nachdem er mit $7.500 von uns abgehauen war - auf nimmer Wiedersehen... Alleine die Anwaltskosten beliefen sich danach noch auf $3.500 und führten zu nichts. Viel Lehrgeld.

Aktuelle Nachrichten zum Thema Immigration


- Neue Regelung des Berufes „Einwanderungsberater“
- Aktuelles zu den Provincial Nominee Programs
- Sommerjobs und Praktika in Kanada
- Studentenaustausch
- Einwandern nach dem Studium?


Der Service für Daheimgebliebene: Sommerkultur aus Kanada in Deutschland


Kanadische Künstler kommen auch diesen Sommer nach Deutschland um die Kultur ihres Landes denen zu präsentieren, die dieses Jahr nicht nach Kanada reisen.

Einer der Höhepunkte ist die “Chaos-Tour“ von Alanis Morissette. Sie ist eine der ganz Großen des alternativen Rocks und wird bei ihren Open-Air-Auftritten in Stuttgart, Bonn und Berlin ihre Fans begeistern. (http://wvw.eventim.de)

Die Palette der kanadischen Kunst ist aber weit umfangreicher und wird von Stralsund an der Ostsee bis nach Irsee im Allgäu präsentiert. Seit elf Jahren begeistert das Musikfestival KLANG&RAUM im Kloster Irsee/Allgäu Liebhaber Alter Musik aus der ganzen Welt. Für die Genießer dieser Musik wird es sicher der Höhepunkt des Jahres, wenn das Tafelmusik Barock Orchester aus Toronto Haydn, Schubert, Orlando di Lasso und Mozart aufführt. Die Kunst der First Nations wird ebenfalls in verschiedenen Städten zu sehen sein. Hier ist die Ausstellung "Zeitgenössische Inuitkunst aus Nunavut" im Ledermuseum von Offenbach besonders zu erwähnen.

Die komplette Liste der Veranstaltungen ist auf der Website der Kanadischen Botschaft zu finden. (www.canada.de) Ausführliche Informationen zu den Künstlern stehen in dem Magazin CanadArt, das als PDF-Datei auf der Seite zu finden ist. Unsere Tipps sind nur eine kleine Auswahl aus dieser Liste...


Tollwood-Festival à la Québécoise: Das Festival d'été de Québec


Das Festival d'été de Québec findet in diesem Jahr vom 8. bis 18. Juli 2004 zum 37. Mal statt. Für elf Tage verwandelt sich die Altstadt Québecs in eine riesige Freilichtbühne. Auf weniger als einem Quadratkilometer rund um das Parlament präsentieren Hunderte von Künstlern aus aller Welt in mehr als 400 Vorstellungen ein buntes Programm für die ganze Familie: Die Bühne auf den weitläufigen “Plaines d'Abraham“ mit Blick über den St-Lorenz-Strom, wo vor 400 Jahren die Franzosen im Kampf gegen die Briten unterlagen, ist für die Zeit des Festivals ganz friedlich den Stars der aktuellen internationalen und Québecer Musikszene gewidmet. Gleichzeitig werden sich die Vertreter frankophoner Musikrichtungen auf der Bühne des sog. “Pigeonnier“ (Taubenschlag) tummeln und dem Publikum von Chansons bis Rock oder Hip-Hop alles bieten, was das Ohr begehrt.


Internationales Jazzfestival in Montréal


Zwölf Tage lang schlägt vom 30. Juni bis 11. Juli der Puls der Stadt während des Internationalen Jazzfestival Montréal im Rhythmus des Jazz: In vielen Konzertsälen und auf zehn Außenbühnen werden über 500 Konzerte präsentiert.

Aus Anlass des diesjährigen 25-jährigen Jubiläums hat das Jazzfestival Montréal ein einmaliges Programm zusammengestellt. Viele der weltbesten Jazzmusiker, die zum großen Teil das Jazzfestival Montréal über die Jahre begleiteten und zu dem machten, was es heute ist, werden in Montréal sein. Bei der Jubiläumsgala am 29. Juni wird Diana Krall spielen. Das Abschlusskonzert hat jazzhistorische Dimension: Oliver Jones und Oscar Peterson, die beiden größten Jazz-Musiker, die Montréal bisher hervorgebracht hat, werden gemeinsam auftreten.




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