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Heft 2 / 2007
Themen Titelbild

Mit dieser Ausgabe feiern wir ein Jubiläum, es ist das 30. Kanada Aktuell, das wir zum Anlass für ein bisschen Eigenlob und Statistik nehmen möchten. Als da wären 1.460 Seiten, das sind 365 Druckbogen á 4 Seiten, was einer reinen Druckzeit von rund 1.250 Stunden entspricht, 52 Tage á 24 Stunden... Druckvorbereitung, Weiterverarbeitung, Versand nicht inbegriffen. Pro Seite ca. 30 Minuten Satz – noch mal rund 31 Tage rund um die Uhr am Computer. Recherche, Redaktion, Organisation, Abrechnung, Buchhaltung usw. lassen wir außen vor, sonst ergibt sich die Frage, ja, wann leben wir eigentlich, da ja Kanada Aktuell neben unserem eigentlich Broterwerb läuft.

Wir denken aber hier auch an alle, die uns teilweise seit der ersten Ausgabe zur Seite standen und stehen, an all ihre Mühe und ihre Unterstützung, die uns geholfen haben durchzuhalten und Sie nach bestem Wissen mit Information und Unterhaltung zum unerschöpflichen Thema Kanada zu versorgen. Genannt seien hier – sozusagen in vorderster Front – Olaf Robrecht, Gerd Damitz, Kurt Burger sowie für das Layout-Konzept Tobias Schneider – Euch hier den wohlverdienten Dank auszusprechen, ist uns ein Bedürfnis! All die anderen, die wir nicht alle aufzählen können, seien auch eingeschlossen, Berthold Baumann, Inge Cieslak, Anne Heine, Andreas Keller, Sui Kings... Danke Euch allen!

In dieser Ausgabe lesen Sie:










Das Ende der Welt…


Der weiße Wal taucht ab. Sein schlanker Körper ist jetzt direkt unter meinem Boot. Durch den Glasboden des Kajaks sehe ich, wie er mich neugierig beobachtet. Fast könnte man meinen, er lächelt mich an. Erst nach ein paar Sekunden dreht er sich langsam wieder um. Schlägt zweimal kräftige mit der Fluke. Und ist weg. Verschwunden in den blauen Tiefen der Hudson Bay.

Das also ist "Whale-Watching". Kannte ich bislang nur vom Hörensagen. Jetzt aber bin ich mittendrin. Mittendrin in dem, was ein von der Großstadt verwöhnter Westeuropäer wie ich schlichtweg "Abenteuer" nennen darf: Ich bin 400 Meter von der Küste entfernt. Irgendwo im kanadischen Nirgendwo. Aber um mich herum ist die Hölle los: Es schnauft. Es prustet. Es platscht. Unaufhörlich. Ich sitze in meinem Kajak und bin umgeben von Belugas. Überall tauchen die bis zu sieben Meter langen, schneeweißen Körper auf. Vor mir. Neben mir. Hinter mir. Gänsehaut. Feuchte Augen. Ein Spektakel. Whale-Watching in Churchill/ Kanada – ich möchte jetzt nirgendwo anders sein.

Indes: Bis zu meinem Abenteuer hat es gute 15 Flugstunden gebraucht. 9000 Kilometer quer über den Atlantik. 9000 Kilometer bis zur Ankunft in einer anderen Welt. Churchill liegt an der Westküste der Hudson Bay, des großen kanadischen Binnenmeeres, das vom Nordpolarmeer aus den nordamerikanischen Kontinent durchschneidet. Die Maßstäbe, auf denen mein Leben bislang gründete, gelten hier nicht. In Churchill leben gerade einmal 900 Menschen. Es gibt ein Postamt, eine Schule, einen Kindergarten, einen Supermarkt, eine handvoll Restaurants und Pubs, zwei Hotels. Churchill liegt inmitten der arktischen Tundra. Bis in den Juni hinein treiben die Eisschollen hier auf dem Wasser der Bay. Churchill ist gute 1600 Kilometer von Winnipeg, der nächst größeren Stadt und Hauptstadt der Provinz Manitoba, entfernt. Das ist so, als wenn zwischen Köln und Helsinki nur Wildnis liegen würde. Und: Von Winnipeg aus kommt man nur per Flugzeug (drei Stunden) oder Eisenbahn (zwei Tage, eine Nacht) nach Churchill. Eine Straße existiert nicht. Ihr Unterhalt wäre zu teuer: Wenn im Sommer die oberen Schichten des Permafrostbodens auftauen, dann sinken ja schon die Bahngleise beizeiten ein. Der Beton einer Autotrasse würde platzen, bröckeln, brechen. Wenn es ein Ende der Welt gibt, dann ist Churchill ganz nah dran…


Mit 66 Jahren von West nach Ost – 8.321 Kilometer im Sattel


„Zu 75% findet die Route im Kopf statt; wenn man mental fokussiert ist, ist der Rest einfach nur: just do it." Dieser "Rest" sind 8.321 Kilometer auf dem Sattel ihres Drahtesels; 105 Tage vom Pazifik zum Atlantik. Unterwegs hat die Radlerin Janice Kenyon ihren 66. Geburtstag gefeiert, zehn Provinzen Kanadas mit vielen freundlichen Menschen kennen gelernt, eine Radroute durch Kanada etabliert, die den gefährlichen Trans Canada Highway – wo immer möglich –  meidet, und den Stoff für ihr Buch "Bike Ride with a Twist" gesammelt.

Mit der radelnden Großmutter sitze ich nun am Ufer des Highwood River (Alberta) und will wissen, wie man das so schafft. "Ich wollte die Strecke komplett durchziehen; wenn man nicht entschlossen genug ist, lässt man die Sache mittendrin sausen, und so geht es vielen." Mit Willensstärke und "just do it" ist sie mit eigener Muskelkraft von Victoria (BC) bis St. John's (Neufundland) geradelt. "Kanada ist ein großartiges Land, wunderschön. Ich wollte nicht einfach nur strampeln und den Asphalt vorbei rauschen lassen, sondern Kanada sehen. Das war der Grund, warum ich gestartet bin."

"Immer wieder werde ich gefragt, wie ich mir das in meinem Alter noch zutraue, aber es ist mir nie in den Sinn gekommen, dass das eine große Rolle spielen könnte." Lange Streckentouren waren nichts Neues für sie: Im Jahr zuvor hatte sie die USA durchquert – Tachostand fünftausend Kilometer; durch Deutschland ist sie auf ihrer Tour von Donau-Eschingen nach Budapest auch schon gekommen; quer durch Frankreich ist sie geradelt, durch Norwegen etc. Wenn sie nicht auf dem Sattel sitzt, schreibt die gelernte Krankenschwester Bücher (sie arbeitet gerade an einem Roman) oder für die lokale Zeitung…


Einen Traum leben – ein Vierteljahrhundert unterwegs in Kanada


Seit über 28 Jahren bereisen Elvira und Hans-Gerhard Pfaff Kanada in seiner ganzen Ausdehnung – von Bonavista bis nach Vancouver Island und bis hinauf nach Tuktoyaktuk. Die Erfahrung und das Wissen von weit über 100 Reisen fließen in ihre Multivisions-Shows ein, mit denen sie das Land in seiner ganzen Vielfalt professionell und begeistert präsentieren.

Das Erfolgsrezept dieser digitalen Dia-Panoramavisionen ist die richtige Mischung zwischen ungewöhnlichen Panorama-Fotos und informativen Live-Kommentaren, die mit Musik untermalt und durch den Original-Ton authentisch und nachvollziehbar sind.

27 Jahre Fotojagd quer durch das Land  haben so Europas größtes Kanada-Bildarchiv entstehen lassen, acht Fotobände präsentieren darüber hinaus die schönsten Impressionen der jeweiligen Region.

Die Fotoshows haben bereits viele Tausende begeistert, Erinnerungen aufgefrischt, Staunen und Gänsehaut verursacht, Sehnsucht geweckt, ja, Tränen der Rührung über so viel in herrliche Bilder eingefangene Schönheit – vor allem der Natur – sind keine Seltenheit.

Das Produzieren von analogen Diashows gehört bei den Pfaffs seit November letzten Jahres der Vergangenheit an. Das Zauberwort heißt nun: Digitale Video-Projektoren-Präsentation, hierbei wird mit drei HD-AV (Canon SX 60) Projektoren ein zusammenhängendes Panoramabild auf eine 15, 12, 9  oder 6 Meter breite Leinwand projiziert...


Am 'seidenen Faden' in eisige Tiefe – im Eis des Athabasca Gletschers


Die Krampen krallen sich in's Gletschereis; am Klettergurt des Vordermanns klappern ein paar Dutzend Karabiner, und ich wünsche mir eine lange Unterhose. Wer braucht die schon im August, war der Gedanke. Sommer hin oder her, auf dem Gletscher weht ein scharfer Wind. Da bin ich doch froh über den steilen Aufstieg, der mich von innen aufheizt.

Außen kalt, innen heiß – fire and ice – sind wir auf dem Athabasca Gletscher am nördlichsten Zipfel von Banff's National Park – fast schon in Jasper. Den abgesteckten sicheren Weg für Besucher können wir umgehen, denn von unserer Truppe wird wohl niemand Gefahr laufen, in einer Gletscherspalte zu versacken. Unser professioneller Führer Dave ist mit seinen fünf schwarzen abgefrorenen Zehen, die er von diversen eiskalten Exkursionen zurückgebracht hat, dennoch flinken Fußes, und er kennt das Eis wie sein Zuhause.

Nur nicht auf die Nase fallen. Viel mehr als kalt ist dieses Eis, auf dem wir laufen – verdammt scharf, hart und rau – auch ohne Gletscherspalte kein Vergnügen. Dave pfeift einen alten Herrn zurück, der gerade im Alleingang das Gelände weit hinter der Absperrung erkundet: "Wenn der in eine Spalte fällt, kann er rufen so viel er will. Niemand hört ihn. Vom Eis umgeben würde er erfrieren, noch bevor man ihn vermisst." Manch glücklos Wagemutigem hat auf diese Weise schon das letzte Stündchen geschlagen. Man vermutet nichts Böses: Das Eis erscheint als eine feste geschlossene Masse, doch unter der Oberfläche lauert manch tiefer Abgrund. Ab einer Dicke von 30 Metern fangen Gletscher an, unter ihrem eigenen Gewicht zu fließen (hier weinige Zentimeter pro Tag), und da dies nicht überall gleich schnell passiert, gibt es Spannungen, Risse und Spalten. Der Gletscher lebt. Und er redet sogar, blubbert vor sich hin, sprudelt aus sich heraus, gletschert und plätschert: Glasklare Schmelzwasserbäche durchziehen die eisige Oberfläche – ein Konzert auf dem Glockenspiel, bis das Wasser dumpf hier oder dort durch eine Spalte in die Tiefe rauscht...


Die Kronjuwelen British Columbias: Grün, grandios und ganz schön alt!


Ihre Existenz verdankt die Provinz British Columbia nicht zuletzt ihren Bäumen. Sie waren Anreiz für Forstarbeiter und Obstbauern, sich im Landesinneren niederzulassen; sie haben Umweltaktivisten auf den Plan gerufen, die sich dafür einsetzten, dass ganze Regionen unter Naturschutz gestellt wurden; sie stehen für Freizeit und Erholung; und sie sind seit Jahrtausenden ein wichtiger Bestandteil im Leben der First Nations Stämme. Alles in allem bedecken die Wälder British Columbias eine Fläche von über 60 Millionen Hektar, ein Gebiet größer als Frankreich!

Cathedral Grove auf Vancouver Island ist ein mystischer Ort, an dem bis zu 76 Meter hohe und über 800 Jahre alte Bäume Geschichten erzählen, ja selbst Geschichte sind. Dass es sich dabei um Douglasien handelt, wird viele der jüngeren Besucher kaum interessieren. Aber wenn Sie zu den alten Gentlemen der Wälder aufsehen und "wow" sagen, schwingt in diesen drei Buchstaben ehrfürchtiges Staunen über die unbeschreibliche Kraft und Schönheit der Natur mit: Moose hängen wie Bänder von den mächtigen Ästen, die – was vielleicht nicht so bekannt ist – selbst Hunderte von Jahren alt sein können; sie wachsen eben nur sehr viel langsamer. Die ältesten Bäume im Cathedral Grove stellen sogar eine Verbindung in die Zeit vor Kolumbus dar. Fassbarer wird diese Zeitspanne, wenn man sich vor Augen führt, dass sie in etwa genauso alt sind wie Westminster Abbey oder Notre Dame…

Im Norden British Columbias hängen uralte Moose und Flechten wie Lametta an 300 Jahre alten Riesen-Lebensbäumen (Western Red Cedar) im Naturschutzgebiet Gwaii Haanas National Park Reserve and Haida Protected Area. Es liegt im südlichen Drittel der Queen Charlotte Islands, einem Archipel aus über 150 Inseln. Seine unberührten Wälder sind eine Rarität – ein Ort ohne Straßen und Wege. Nur wenige Meter vom Kajak entfernt ist man bereits inmitten tiefster Wildnis und könnte genauso gut auch Tausende Kilometer hinter sich gebracht haben. Der einzige Zugang in dieses Königreich der Natur ist auf dem Wasser- oder Luftweg…


Job Messe 'Canada 2007' in Deutschland


Wie bereits in den vergangenen Jahren, fand im Februar die Job Fair Canada 2007 in Deutschland an zwei neuen Veranstaltungsorten – Essen und Berlin - statt. Der Abstand von nur zwei Tagen war für Aussteller und Betreiber sicher eine logistische Herausforderung, andererseits für die potentiellen Interessenten sehr positiv, konnten sie doch den ihnen nächsten Standort zeitnah einplanen.

Was bringt solch eine Veranstaltung nun tatsächlich?

Auf jeden Fall, das kann man nach dem Besuch sagen, ist sie eine sehr gute Möglichkeit, seinem Traum von Kanada näher zu kommen, oder sich diesen über ein 'work permit' sogar zu erfüllen. Andererseits bot die Messe Fachkräften aus Deutschland die Möglichkeit, sich aus einer teilweise aussichtslosen Situation auf dem hiesigen Arbeitsmarkt zu befreien. Und der dritte Aspekt, es will ja nicht jeder auswandern; eine solche Messe bietet jedoch die Möglichkeit, einen ganz anderen Arbeitsmarkt, ganz andere Arbeitsweisen kennen zu lernen, eben Job Experience zu erlangen, die einem auch nach der Rückkehr nach Deutschland Nutzen bringt.

Firmen aus sechs kanadischen Provinzen waren vertreten, wobei der Westen dominierte. Den Hauptanteil stellten Unternehmen aus British Columbia und, fast müßig zu erwähnen, der Boomprovinz schlechthin, Alberta. Aber auch aus Manitoba und Ontario kamen einige Firmenvertreter auf der Suche nach Fachkräften für ihre Unternehmen, während Saskatchewan und, als einzige Atlantikprovinz, New Brunswick nur mit je einem Unternehmen präsent waren.

Bei den besonders gesuchten Berufsgruppen muss an erster Stelle die Baubranche genannt werden, insbesondere in Alberta, das zur Zeit auch einen Bauboom erlebt. Gleich danach kommen Berufe wie Elektriker, Mechaniker, Gas-/Wasserinstallateure, Wartungstechniker und, was erstaunlich war, viele Berufskraftfahrer (truck driver). Auch für Buchbinder, Köche und viele mehr wurden Jobs angeboten. Die Palette der Firmen reichte dabei von Handwerksbetrieben bis zu Großunternehmen…


Vom Wahnsinn,  in die USA auszuwandern


Mit dem folgenden Beitrag beginnen wir die Geschichte der Schneiders aus dem Rheinland. Lange schon arbeitet die Familie an dem Projekt Auswandern, dessen erster Anlauf Richtung USA – lesen Sie selbst – kläglich gescheitert ist. Da viele über diesen Umweg erst auf die "Alternative Kanada" kommen, möchten wir damit die Geschichte, deren Ende völlig offen ist, da das erste Treffen mit dem künftigen kanadischen Arbeitgeber von Herrn Schneider kurz vor Redaktionsschluss stattfand, einleiten – sie sollte die Augen öffnen, um sich ähnliche herbe Enttäuschungen zu ersparen.

Die kanadischen Einwanderungsberater sind seit April 2004 zertifiziert, was Kompetenz, Sachkunde und Ethik betrifft, die Liste der zugelassenen Berater finden Sie unter www.csic-scci.ca (Membership List). Die kanadische Einwanderungsbehörde akzeptiert seither auch nur Anträge von Beratern, die in dieser Liste vertreten sind.

Wer sich je mit einer Auswanderung aus nicht wirtschaftlichen Motiven (z. B. Umgebung und Klima) beschäftigt, und sich ohne Erfahrungen mit Lektüre, Behörden und Beratern auseinandergesetzt hat, weiß, dass man dabei in ein Loch ohne Boden fallen kann.

Wir haben uns über viele Jahre hinweg, elf an der Zahl, mit diesem Schritt beschäftigt und versucht, so sinnvoll wie möglich mit Fachbüchern und Behörden zu arbeiten, damit dieser Schritt auch gelingt. Schließlich haben wir zwei Kinder. Wer denkt, dass Fachbücher grundsätzlich funktionierende Kontakte enthalten und Behörden zuverlässige Informationen liefern, der irrt. Damit meine ich, dass wir oftmals nur Halbwahrheiten erfuhren, also grobe Details. Wichtige Hintergrundinformationen erhielten wir immer erst, als wir nicht mehr weiter wussten. Das ist, als wenn der Fahrlehrer sagt: "Jetzt trittst du die Kupplung", kannst es aber nicht, weil du nicht weißt, was oder wo die Kupplung ist.  Irgendwie scheint auch jeder Berater zu denken, dass man schon alles wissen muss, damit man weiß, wovon er gerade spricht.

E-Mail-Adressen und Telefonnummern waren größtenteils veraltet, so dass kein Anschluss zustande kam. Irgendwie wurden sie seit dem Jahr 1990 wieder und wieder übernommen und bei der letzten Buchauflage wieder nicht kontrolliert.

Hatten wir das Glück, eine Behörde zu erreichen, hieß es, man leite das Anliegen an die zuständige Person weiter. Schlimmstenfalls noch gegen Gebühr (z. B. Amerikanische Handelskammer). Es hat sich meist niemand mehr gemeldet oder wenn, dann sagte er, er könne uns nicht weiterhelfen und verwies uns zur nächsten Behörde, die ihm gerade einfiel, die uns dann auch nicht weiterhelfen konnte. Aber auch dort bekamen wir wieder eine Empfehlung für die nächste Behörde...


Studieren und Lernen in Kanada – Angebote für junge Leute )


Die Hürden für eine "reguläre" Einwanderung nach Kanada scheinen immer höher zu werden, für viele sind es in erster Linie die "Sprachbarriere" und die "falsche" Ausbildung, die den großen Traum sehr schnell platzen lassen, bzw. vorab sehr viel Zeit und Mühe erfordern, um auf den notwendigen Stand zu kommen. Hier gibt es inzwischen jedoch reichlich Möglichkeiten, trotzdem nach Kanada zu kommen – mit einer befristeten Arbeitserlaubnis und – wenn man Glück hat – mit einem Arbeitgeber, der bereits hier in Deutschland den Vertrag unterschreibt und sich dann selbst um alle Formalitäten kümmert – so vielfach geschehen erst kürzlich Ende Februar – auf den Jobmessen in Essen und Berlin.

Das ist jedoch nicht die einzige Chance; das Angebot gerade für junge Leute, sei es zum Lernen, Studieren oder auch Arbeiten, sind vielfältig. Im Folgenden die wichtigsten in einem kurzen Überblick:

Schule

Kanada hat kein einheitliches Bildungssystem und daher auch kein nationales Bildungsministerium, zuständig sind die Bildungsministerien der einzelnen Provinzen bzw. Territorien. Diese wiederum übertragen in unterschiedlichem Maße die Verantwortlichkeiten den Schulaufsichtsbehören, die die Schulen verwalten, Personal einstellen und innerhalb der Provinzrichtlinien die Lehrpläne festlegen. Es gibt öffentliche, konfessionelle sowie private Schulen, die in der Regel Gesamt- und Ganztagsschulen sind. Es besteht Schulpflicht für zehn Jahre. Vielfach bieten die Kommunen für Vier- bzw. Fünfjährige Vorschulen an; Grundschule und Sekundarstufe dauern in den meisten Provinzen zwölf Jahre, sechs davon (BC: sieben, Ontario und Manitoba: acht Jahre) sind Grundschule, es folgt der jeweils dreijährige Besuch der junior high school und der senior high school (in Quebec dauert der Besuch der Sekundarschulen – écoles polyvalentes –  fünf Jahre).

Wenn man eine kanadische Schule für seinen Sprössling in Betracht zieht, so sollte man sich bei der zuständigen Schulaufsichtsbehörde nach dem anfallenden Schulgeld erkundigen. Einige Schulen erheben keine Gebühren, andere fordern zwischen 4.000 und 14.000 CAN $ pro Jahr. Den Schulbesuch in Kanada kann man durchaus selbst organisieren, aber auch von privaten Veranstaltern regeln lassen. Verschiedene deutsche Behörden bieten ebenfalls Schulaustauschprogramm an, zu denen man bei den Kultusministerien oder Oberschulämtern der Bundesländer Auskunft erhalten kann…


Wenn Häuser auf die Reise gehen...


Egal ob eine Straße weiter oder fünfhundert Meilen über den Kontinent – mit den Krawatten im Schrank, dem Herd in der Küche und Gardinen an den Stangen geht in Kanada oft das ganze Haus auf die Reise.

Einem Haus in der Nachbarschaft werden gerade die Rollen untergeschnallt, und 130 Kilometer südlich von Calgary wartet ein neuer Besitzer bereits auf frisch gemauertem Fundament. "Dort ist alles vorbereitet. Die setzten das Haus auf den Keller und das war's" erzählt der neue Grundstücksbesitzer, mein zukünftiger Nachbar, der ein zweistöckiges Doppelhaus auf dem Grundstück bauen will, sobald die Trümmer der Kellerwände weg sind. "Das hier ist zu alt, darin wollen meine Frau und ich nicht wohnen. Jemand aus Stavely hat es gekauft, und so ist der Transport dann günstiger als es abzureißen." 25.000 Dollar koste der Umzug, und ein Team von fünf Männern hat drei Tage lang alle Hände voll zu tun.

Zunächst mussten die Handwerker alle Rohre und Kabel zum Keller kappen, dann vier Löcher in die Kellerwände meißeln, längsseits zwei Stahlträger unter den Fußboden des Erdgeschosses schieben, die aufragenden Kellerwände darunter weg schlagen, und dann die Träger samt Haus über zwei quer liegende gut gewachste Träger neben das verwüstete Kellerloch  ziehen. Dann wurden die Träger angehoben, auf Holzpfeiler gebockt und Räder unter die Träger geschraubt. Wie bestellt und nicht abgeholt steht das Haus jetzt dort fertig für die Reise auf Rollen. In dem restlichen Keller ohne Dach klebt die gelbe Blümchentapete in Fetzen, eingefallenes Mauerwerk liegt auf der Küchenzeile, in den Trümmern ein einsamer Rauchmelder, der nun nichts mehr zu melden hat…            


Auf Spurensuche...


In einigen früheren Ausgaben haben wir typische Tiere Kanadas vorgestellt. Keiner kann eine Garantie dafür geben, diese bei einem Urlaub auch tatsächlich zu Gesicht zu bekommen. Aber man denke mal an zuhause. Hier in Deutschland ist es nicht anders. Sicher sieht man mal in der Ferne ein Reh oder einen Hirsch, eher jedoch entdeckt man die Spuren der Tiere, die unseren Weg gekreuzt haben. In Kanada ist es nicht anders. Gerade in den National- oder Provinz Parks trifft man schon auf Tiere, manche hört man auch nur. Die meisten gehen einer Begegnung mit uns Menschen aus dem Weg. Bei manchen ist es auch gar nicht so verkehrt, denn wer möchte schon einem Puma unvermittelt tief ins Raubtierauge blicken? Aber genau wie in Deutschland ist es so eine Sache mit den Fährten. Nicht jeder hat einen Förster oder Jäger in der Familie und der wiederum sieht ja auch in den Spuren noch viel mehr, der weiß, welches Geschlecht das Wildschwein hatte, wie alt es war und ob es schnell oder langsam gelaufen ist, als es seine Spuren hinterließ. Solches Wissen ist für den Laien schon faszinierend und erstaunlich... 




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